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Der Gardasee

Eine Reise entlang des Gardasees

Der Gardasee ist der grösste der oberitalienischen Seen, ja sogar der grösste See Italiens. Er ist ein Überbleibsel der letzten Eiszeit, geformt von einem Seitenast des Etschgletschers. Der Norden des Sees ist begrenzt von den Alpen und gehört zu der Region Trentino, im Süden reicht er bis in die norditalienische Tiefebene. Das Westufer des Gardasees gehört zur Lombardei und das Ostufer zu Venetien. Die ersten Siedlungen rund um den Gardasse entstanden bereits 2000 Jahre vor Christus in der Bronzezeit. Bei Malcesine und Pai kann man auch heute noch Pfahlbauten besichtigen und frühgeschichtliche Felszeichnungen findet man am Monte Baldo und in den Nebentälern des Gardasees um den Ledrosee und den Tennosee. Um ca. 200 v.Chr. eroberten die Römer den Gardasee und er gehörte von nun an zur römischen Provinz Gallia Cisalpin und erhält den Namen Lacus Benacus, zu Ehren des Gottes Benacus. Den Römern verdanken wir es, dass vor allem am Südufer des Sees zahlreiche antike Villen und Thermalbäder zu besichtigen sind. Nach dem Fall des römischen Reichs herrschen die Langobarden über den Gardasee und mit ihnen die Scalieger, von ihnen stammen zahlreiche Burgen und Festungen, die uns in Malcesine, Torri del Benaco, Lazise und Sirmione auch heute noch in ihren Bann ziehen. Später erobern die Venezianer den Gardasee, aufgrund einer spektakulären Seeschlacht zwischen Mailand und der Republik Venedig, gehört nun das gesamte Gardaseegebiet, mit Ausnahme der Nordspitze des Sees, zur Dogenrepublik. Die Herrschaft der Venezianer bringt Wohlstand über die Region, was man anhand der vielen prachtvollen Bauten aus dieser Zeit, in den Orten rund um den See auch heute noch sehen kann. Im Jahr 1797 erobert Napoleon die Lombardei und Venedig, dabei werden Verona und der Gardasee zur Kriegsbeute und von Frankreich und Österreich hart umkämpft. Die Österreicher erobern Verona und das Gardaseeostufer, welches erst 1866 an das Königreich Italien zurückfällt. Die Nordspitze des Sees allerdings verbleibt noch weiterhin in österreichischer Hand. Ein weiteres wichtiges Datum in der Geschichte des Gardersees ist der 24. Juni 1859. Damals kam es zur Entscheidungsschlacht im Sardischen Krieg. Bei Solferino trafen die Truppen Sardiniens und Österreichs aufeinander und es kam zu einer grausamen Schlacht. Angesichts der Tausenden von Verwundeten kommt es zu Gründung des Roten Kreuzes, durch Henry Dunant, und zur Vereinbarung der Genfer Konvention. Als 1915 Italien in den 1. Weltkrieg eintrat kam es wiederum zu Kämpfen am Gardasee. Minen wurden im See verlegt, Berge durchbohrt und Gipfel gesprengt. Zahlreiche Festungsanlagen blieben als Zeitzeugen zurück. Erst 1918 viel auch die Nordspitze des Gardasees, zusammen mit Südtirol, an Italien zurück. Unter der Herrschaft des Diktators Mussolini wird der Gardasee nochmals zum Schauplatz der Geschichte. Benito Mussolini ruft 1943 in Salò die „Faschistische Sozialrepublik“ aus. Diese wurde aber international niemals anerkannt und verschwindet 1945 mit der Niederlage Mussolinis und Hitlerdeutschlands wieder von der Bildfläche. Nach Ende des 2. Weltkriegs hat sich der Gardasee schnell zu einem der beliebtesten Tourismuszielen Europas entwickelt. Die Region kam, nicht zuletzt durch die architektonischen Zeugnisse der vielen verschiedenen Kulturen, die den Gardasee über Jahrhunterte besiedelten, zu Wohlstand und Bekannheit.

Der Gardasee im Norden

Der nördlichste Teil des Gardasees gehört zur Region Trentino. Er umfasst die Orte Nago, Torbole und Riva del Garda. Obwohl der Gardasee im Norden von hohen Bergen umgeben ist, herrscht hier bereits submediterranes Klima. Die Winter sind mild mit wenig Niederschlägen und die Sommer sind warm bis heiß. In den Ortschaften rund um den See gedeihen Palmen sowieOliven-und Zitronenbäume. Dank der den Gardasee umgebenden Berge, ist die Region wie geschaffen zum Wandern, Klettern und Mountainbiken. Doch auch auf dem Wasser ist hier viel geboten: Der verlässlich wehende Nordwind Pelèr am Morgen und der Südwind Ora am Nachmittag sorgen für beste Windbedingungen zum Surfen und Segeln. Wenn man die Autobahnausfahrt Lago die Garda nord nimmt, kommt man unweigerlich durch das Dorf Nago. Es befindet sich auf einer felsigen Anhöhe an den Hängen des Monte Altissimo, unter der Ruine des Castel Penede. Vom Zentrum Nagos aus führt ein schöner Wanderweg zu diesem wunderbaren Aussichtspunkt. Ist man schon einmal in Nago, sollte man sich die Gletschertöpfe “Marmitte dei Giganti” auf keinen Fall entgehen lassen. Sie sind entlang der Panoramastraße von Nago nach Torbole zu finden. Das ehemalige Fischer- und Holzfällerdorf Torbole ist besonders bei Windsurfern und Seglern sehr bekannt und beliebt. Es liegt zwischen dem Ufer des Gardasees, dem Monte Baldo und der Ebene Piana del Sarca. Das schöne alte Zentrum von Torbole mit seinen verwinkelten Gassen und Ecken lädt zum Spazieren und Bummeln ein. Besonders sehenswert ist dabei der kleine Hafen mit den typischen Gebäuden aus venezianischer Zeit. Von Torbole aus bietet sich ein Ausflug in das etwas nördlich vom Gardasee gelegene Städtchen Arco mit seiner majestätischen Festung geradezu an. Das Schloss von Arco ist eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Region und gehört zweifellos zu den schönsten Schlössern im Trentino. Riva del Garda wird nicht umsonst als “die Perle des Gardasees” bezeichnet. Den Ort zieren Zitronen- und Olivenbäume, Lorbeersträucher und Palmen genauso wie historische Paläste aus der Zeit der Venezianischen Herrschaft. Ebenfalls sehenswert ist die ganz von Wasser umgebene Stadtburg “Rocca di Riva” aus dem Jahre 1124. Im Anschluss an Riva del Garda beginnt der südliche Teil des Gardasees und das, bei Kletterern sehr beliebte Brentagebirge. Genauso wie der Nachbarort Torbole ist auch Riva del Garda einer der bekanntesten Treffpunkte für Windsurfer und Segler.

Die Lombardei und der Gardasee

Ab dem malerischen Örtchen Limone sul Garda gehört die gesamte Westküste des Gardasees zur Lombardei und wird von Brescia aus verwaltet. Die Provinzgrenze verläuft mitten im See, was besonders für Kitesurfer wichtig ist, denn je nach Region herrschen für sie andere Bestimmungen. Heute ist Limone sul Garda ein Touristenmagnet, doch früher war der kleine Ort für seine Zitronen bekannt. Zwar werden in Limone heute kaum noch Zitronen produziert, die alten Terrassen und Gewächshäuser sind aber immernoch sehenswert. Südlich von Limone führt eine schöne Panoramastraße in die Hochebene von Tremosine und Tignale hinauf. Dort oben in den Bergen gibt es noch kleine Dörfer und entlegene Almen, ein Paradies für Mountainbiker, Motorradfahrer und Wanderer. Die Aussicht über den See ist natürlich auch ein Grund hier herauf zu kommen, entlang der Panoramastraße gibt es immer wieder Aussichtspunkte mit grandioser Sicht über den See. Fährt man noch einige Kimometer weiter, so erreicht man die Kirche Madonna di Monte Castello, sie wurde auf den Ruinen einer Scaligerburg errichtet und beherbergt einige sehenswerte Kunstweke und natürlich ist der sich bietende Ausblick über den Gardasee und das gegenüberliegende Ufer überwältigend. Mit dem Städtchen Gargnano beginnt die Riviera Bresciana, das milde sonnige Klima und die üppige Vegetation sind sicher auch dafür verantwortlich, dass sich schon früh die Wohlhabenden des Landes an diesem Uferstreifen angesiedelt haben. Hier findet man noch schöne Villen und romantische kleine Hafenanlagen. Am bekanntesten sind wohl die Villa Feltrinelli, die man leider nur von außen besichtigen kann, und der malerische Badestrand "Le Fontanelle". Folgt man weiter der Gardesana Ocidentale, kommt man nach Toscolano-Maderno. Die beiden Orte Toscolana und Maderno werden lediglich durch den Fluss Toscolano getrennt, wobei Toscolano nördlich und Maderno südlich dieser Grenze liegt. Die Stadt liegt auf einer Landzunge aus Schwemmland, die der Fluß gebildet hat. Sie dehnt sich von den schönen Stränden am Seeufer bis zu den Hügeln unter dem Monte Pizzocolo aus. Schon im Mittelalter war Toscolano für seine Papierherstellung und Buchdruckerei bekannt, so dass auch Martin Luther seine Bibel auf Papier aus Toscolano drucken ließ. Maderno dagegen hat eine sehr schöne Altstadt und entlang der Uferstraße viele schöne Villen in großen Gärten zu bieten. Prächtige Paläste und Villen und Parks mit üppiger Vegetation gibt es auch im Nachbarort Gardone Riviera zu sehen. Das charmante Städtchen stieg ende des 19. Jh. sehr schnell zum Nobelurlaubsort der Belle Epoque auf und zog das wohlhabende Bürgertum in Scharen an. Es ist auch heute noch die exklusivste Ecke des Gardasees. Fährt man weiter in südlicher Richtung, dann man nach Salò. Die Stadt liegt im Halbrund einer traumhaften Bucht am Fuße des Berges Monte San Bartolomeo. Die malerische Altstadt mit engen Gassen und kleinen Plätzen mit herrschaftlichen Wohnhäusern, eleganten Geschäften, Restaurants und Bars ist ideal für einen Einkaufsbummel. Die vielen ausgezeichneten Restaurants sind ein Paradies für Feinschmecker und die wunderschöne Uferpromenade, sie ist die längste Promenade des gesamten Sees, lädt zum spazieren und flanieren ein. Etwa 2 Kilometer oberhalb des Gardasees, idyllisch in mitten der fruchtbaren Hügel des Valtenesis, liegt das hübsche San Felice del Benaco. Der kleine Ort mit seinen alten Gassen und einer romantisch überwucherten Festungsruine kann natürlich auch mit einem wunderbaren Ausblick über den See und auf die vorgelagerte Isola del Garda, die größte Insel des Gardasees, aufwarten. Folgt man den engen Sträßchen in Richtung See, erreicht man die schönen Badebuchten um Porto San Felice, Porto Portese und die Landzunge San Fermo. Die benachbarte Gemeinde Manerba del Garda ist für ihre über 10 km lange Küste mit glasklarem, sauberen Wasser bekannt. Hier findet man auch eine der schönsten Badebuchten. Sie liegt auf der Insel San Biagio, die man mit der Fähre über die Landzunge Belvedere erreichen kann. Der Name Manerba ist wohl auf einen Tempel, der zu Ehren der Göttin Minerva zurückzuführen. Er Stand auf dem Felsen, wo man noch heute die Überreste der Rocca di Manerba finden kann. Die "Rocca di Manerba" stammt aus dem Mittelalter und ist das Wahrzeichen der Gemeinde. Leider sind von der Festung nur noch Überreste vorhanden, aber es lässt sich ihre Größe und Schönheit immer noch erahnen. Sie ist von einem herrlichenr Park umgeben, welcher ca. 400 Pflanzenarten beherbergt, darunter auch seltene Orchideenarten. Der beschwerliche Aufstieg zu den Überresten der Rocca di Manerba wird man zusätzlich mit einem herrlichen Blick über den Gardasee belohnt, der an klaren Tagen sogar bis nach Torbole im Norden reicht. Weiter geht es nach Moniga del Garda, die kleine Stadt gilt als das Zentrum der Chiaretto-Produktion. Der alte Ortskern Monigas wurde, wie es für das Valtenesi üblich war, an einen Hügel erbaut, auf dem eine massive Festung trohnt. Die Burg stammt noch aus der römischen Besiedlungszeit. Von Moniga del Garda aus führt eine ca. 10 km lange Panoramastraße durch das Chiarettoanbaugebiet nach Salò. Diese Strecke, obwohl hügelig, ist eine wunderschöne Fahrradstrecke durch Weinberge, Olivenhaine, Felder und Wiesen. Rund um den kleinen Hafen Poto die Monige findet man hübsche Kiesstrände, die bei Badegästen seh beliebt sind. Der nächste Ort am Westufer des Gardasees ist Padenghe sul Garda. Die mächtigen Ruinen der aus dem 10. Jh. stammenden Burg sieht man schon von Weitem. Die Festung wurde auf eiem Hügel errichtet an den sich der kleine Altstadtkern des Ortes schmiegt. Innerhalb der alten Mauern ist eine kleine Wohnsiedlung entstanden und vom Turm aus hat man eine herrlichen Ausblick über den Gardasee und das Valtenesi. An der flachen Uferzone von Padenghe gibt es einen sehr schönen langen Strand und einige Campingplätze. Im Hinterland findet man außerdem eine hochmoderne Golfanlage, in deren Zentrum der Palazzo Arzaga steht. Von Padenghe sul Garda aus lohnt sich ein Abstecher in das etwas nördlich gelegene das Dorf Soiano. Es hat ebenfalls eine kleine Festungsanlage und ist das höchstgelegene Dorf des Valtenesi. Es liegt zwar ein wenig abseits vom See, ist aber unter Golfern, wegen seines sehr schön angelegten 27 Loch-Golfplatzes, durchaus bekannt. Fährt man auf der Gardesana weiter in richtung Süden kommt man nach Desenzano del Garda, die größte Ortschaft des Gardasees. Die Stadt hat eine ausgezeichnete geographischen Lage, im Zentrum einer weiten Bucht die im Westen vom “Monte Corno” und im Osten von der Halbinsel von Sirmione begrenzt wird. Das ist wohl mit der Grund, dass die Römer diesen Ort schon früh für sich entdeckt haben. Viele wohlhabende Römer haben sich hier angesiedelt und der Stadt zu ihrer Blütezeit verholfen. Dank der strategisch guten Lage und der Nähe zur “Via Emilia”, einer wichtigen Verbindung in den Norden, wurde Desenzano sehr schnell zu einem der wichtigsten Handelszentren Oberitaliens. Die Stadt ist auch heute noch ein attraktiver Ort für Shoppingtouren und verfügt dank seiner vielen Bars und Diskotheken über ein buntes Nachtleben. Außerdem findet man hier eine sehr schöne Uferpromenade, einen Yachthafen und viele eindrucksvolle Gebäude aus venezianischer Zeit. An der Südküste des Gardasees liegt der malerische Ort Sirmione. Die kleine Stadt erstreckt sich auf einer ca. 4 km langen und schmalen Halbinsel, die in Richtung Norden in den See hineinragt. Die hübsche kleine Altstadt mit ihren historischen Bauten und verwinkelten Gassen ist ein beliebtes Ausflugsziel für alle Gardaseeurlauber. Ein Wassergraben trennt die an der Spitze der Halbinsel liegende Altstadt vom restlichen Festland. Die Altstadt von Sirmione erreicht man an der Scaligerburg durch ein Tor in der alten Stadtmauer. Diese imposante Wasserburg aus dem 13. Jh. ist das Wahrzeichen der Stadt. Sobald man das Tor hinter sich gelassen hat befindet man sich in der verkehrsberuhigten Zone, die nur wenige Autos mit Sondergenehmigung befahren dürfen, so dass Fußgänger ungestört durch die kleinen verwinkelten Gassen schlendern können. Neben der Halbinsel entspringt die schwefelhaltige Boiola-Heilquelle. Diese Thermalquelle machte Sirmione schon bei den Römern zu einem bedeutenden Kurort.

 

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